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Tauchen Sie tief in den Kosmos des menschlichen Herzens ein

Astronautinnen machen einen Halt im Krankenhaus Porz, bevor sie ins All starten

Nicht viele Dinge sind so beständig wie die Neugierde und der Drang der Menschen, mehr über ihre Umwelt zu erfahren und die Geheimnisse ihres Planeten und darüber hinaus aufzudecken. Doch viele Geheimnisse wurden noch nicht aufgedeckt oder ihre Entdeckung ist sehr komplex, langwierig oder sogar invasiv. Einige dieser Geheimnisse sind so weit entfernt wie andere Galaxien, und andere sind sehr nah, wie unser eigenes Herz.

 

Am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Krankenhauses Porz haben Dr. Bansmann und sein Team die Aufgabe, die Herzen ihrer Patienten zu untersuchen und ihnen zu helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen, damit sie die richtigen Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt ergreifen können. Dies ist von hoher Relevanz, wenn man bedenkt, dass Herzerkrankungen eine der häufigsten Erkrankungen bei Männern und Frauen in Deutschland sind - tatsächlich starben 2017 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 344500 Menschen an den Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen[1].

Aber das ist noch nicht alles: Das Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Krankenhaus Porz arbeitet ebenfalls mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zusammen. Die Reise in den Weltraum ist eine große Belastung für den menschlichen Körper, besonders wenn Astronauten dort länger bleiben. Ein möglicher Nebeneffekt kann beispielsweise sein, wie das Herz-Kreislauf-System auf das Verlassen der Erdatmosphäre reagiert. Es ist es nicht gewohnt, sich in einer Umgebung ohne Schwerkraft zu befinden. Astronauten können deshalb Schwierigkeiten haben, sehr lange aufrecht zu stehen, nachdem sie über einen längeren Zeitraum im Weltraum waren[2]. Dementsprechend ist es wichtig, vor Reiseantritt sicherzustellen, dass die Astronauten bei bester Gesundheit sind, denn dadurch sind sie besser für diese physischen Herausforderungen gerüstet.

 

Die Untersuchung des Herzens kann jedoch komplex sein: Die Funktion eines Herzens (Pumpwirkung und Wandbewegung) kann nicht invasiv per Echokardiogramm erreicht werden, in vielen Fällen findet jedoch eine Herzkatheteruntersuchung statt. Um diese Untersuchung durchführen zu können, bei der Teile des Herzens eines Patienten (z.B. Herzkranzgefäße) auf einem Display sichtbar gemacht werden, muss ein Arzt einen feinen flexiblen Kunststoffschlauch durch die Blutgefäße bis zum Herzen führen. Obwohl die Methodik ein minimal-invasives Verfahren ist, bei dem nur 1% der Untersuchungen mit Komplikationen konfrontiert sind, können Komplikationen sehr schwerwiegend sein[3]. Neben Prellungen und allergischen Reaktionen auf das Kontrastmittel können Patienten Herzrhythmusstörungen, Gefäßschäden, Herzinfarkte oder Schlaganfälle erleben.

Alternative Technologien, wie die auf Herzuntersuchungen spezialisierte Computertomographie (CT), scheinen eine Alternative zu Herzkatheteruntersuchungen und anderen inversen Methoden zu sein. Eine aktuelle Studie "SYNTAX III Revolution Studie" des Europäischen Herz-Kreislauf-Forschungsinstituts (ECRI), die im European Heart Journal veröffentlicht wurde, legt nahe, dass solche CT-Untersuchungen genauso effektiv sein könnten wie herkömmliche Untersuchungen. Um den Herausforderungen der traditionellen Herzuntersuchung zu begegnen, aber gleichzeitig eine klare Sicht auf das Herz zu gewährleisten und die Strahlendosis für ihre Patienten niedrig zu halten, entschieden sich Dr. Bansmann und sein Team für die Durchführung ihrer Herzuntersuchungen mit dem GE Healthcares "Revolution Computertomograph" (CT). Ein einfacher Arbeitsablauf ermöglicht zuverlässige Untersuchungen, insbesondere bei anspruchsvollen Patienten mit unregelmäßigen Herzschlägen oder hohen Herzfrequenzen. Die neue CT-Maschine wurde am 3. Juli 2019 eingeweiht.

„Der neue CT erlaubt es uns, tief in den Kosmos des menschlichen Herzens einzutauchen. Wir können eine vollständige Untersuchung des Herzens in gerade einmal 0,14 Sekunden durchführen, und dabei die Strahlendosis gering halten. Bislang waren oft mehrere Untersuchungen und Kontrollverfahren notwendig, um eine eindeutige Behandlungsempfehlung geben zu können.“, sagt Priv.-Doz. Dr. Bansmann. Auch die Astronaut‘innen begrüßen diese Entscheidung: „Die Reise ins All stellt Astronaut‘innen vor eine große körperliche Belastung. Damit alles reibungslos abläuft, startet diese Reise traditionell im Krankenhaus Porz. Ich freue mich sehr, einen Partner an meiner Seite zu haben, der auf neuste Technologie in der Medizin setzt.“, ergänzt Astronautin Dr. Insa Thiele-Eich.

 

Die Notwendigkeit, tief in den Kosmos des menschlichen Herzens einzutauchen, wird wahrscheinlich in Zukunft nicht abnehmen. Neue Technologien machen es jedoch einfacher und schneller, diese Untersuchungen durchzuführen, und sie sorgen für mehr Sicherheit und Komfort für die Patienten.

 

[1] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/_inhalt.html

[2] https://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10664/1151_read-4806/#/gallery/7112

[3] https://www.gesundheitsinformation.de/was-passiert-bei-einer-herzkatheter-untersuchung.2958.de.html